Seine Söhne Otto Rieger (1847 – 1903) und Gustav Rieger (1848 – 1905) hatten nach den ersten Lehrjahren daheim eine weitere Ausbildung in Wien bei Franz Ullmann, in Bamberg bei Balthasar Schlimbach und bei anderen Orgelbauern genossen.

 

          Waren seit 1873 ausschließlich mechanische Kegelladen gebaut worden, so wurden nun auch bei Rieger pneumatische und elektrische Trakturen eingeführt. In der Disposition und Intonation entsprach man natürlich den Klangvorstellungen der Orgelromantik.     1909 wurde Otto Rieger gebeten, beim dritten Kongress der Internationalen Musikgesellschaft in Wien in der Sektion für den Orgelbau am Internationalen Regulativ für den Orgelbau mitzuarbeiten. Dieses Regulativ brachte den ersten großen Wendepunkt im Orgelbau, den ersten Schritt weg von der spät
romantischen Orchesterorgel. Man sprach sich für
die Schleifwindlade und die mechanische Traktur aus.
  Nach dem Ersten Weltkrieg fand sich die altösterreichische Firma im jungen tschechischen Staat wieder. Die Absatzgebiete der Donaumonarchie lagen nun im Ausland und waren politisch völlig neu orientiert.
Es folgte eine schwierige Phase der Anpassung, während Otto Rieger d.J. unerwartet und kinderlos verstarb.
    1918 hatte er seinen Schulfreund, Dipl.Ing. Josef von Glatter-Götz (1880 – 1948), einen ehemaligen k. & k. Generalstabsoffizier, als Betriebsleiter angestellt. Dieser hatte neben seiner Tätigkeit das Orgelbauerhandwerk gelernt und übernahm 1920, 7 Wochen nach dem Tod von Otto Rieger, die Leitung des Unternehmens, das er 1924 durch Kauf erwarb. Jedoch erst 1925 konnte der Betrieb, bei einer Belegschaft von 100 Mann, den Orgelbau wieder ausschließlich und in vollem Umfang aufnehmen. 1938/39 fielen dem Jägerndorfer Hause 66 % des großdeutschen Gesamtexportes bei Orgeln zu.
      Im Laufe der 30iger Jahre traten die Söhne Egon (24.06.1911 - 08.09.1940) und Josef (15.12.1914 - 01.05.1989) in das Unternehmen ein. Beide hatten im elterlichen Betrieb die Lehre abgeschlossen und an den technischen Hochschulen von Breslau und Berlin studiert. Egon befasste sich vor allem mit der klanglichen und künstlerischen Gestaltung der Instrumente, Josef mit der Technik. Egon fiel in den ersten Tagen des Polenfeldzuges am 8. September 1940.
      1945 wurden aufgrund der Benesch-Dekrete über die Enteignung deutschen Besitztums Inhaber und Mitarbeiter des Hauses nach Deutschland deportiert. Die enteigneten Werkstätten der Gebrüder Rieger wurden unter dem Namen Rieger-Kloss einem Instrumentenbaukombinat zugeordnet. Der staatseigene Betrieb firmiert noch heute unter diesem Namen.   Schon kurz vor dem Zweiten Weltkrieg hatte das traditionsreiche Vorarlberger Orgelbauunternehmen Anton Behmann an die Gebrüder Rieger ein Kooperationsangebot gerichtet. Deshalb kamen Josef von Glatter-Götz, Vater und Sohn, zusammen mit einigen Mitarbeitern und deren Familien, die sich nach und nach wieder zusammen gefunden hatten, 1946 nach Schwarzach in Vorarlberg. Hier pachteten sie die Werkstätten von Anton Behmann zum Arbeiten und errichteten mit Reichsarbeitsdienst-Baracken auf einem ehemaligen Schießplatz ein Barackenlager zum Wohnen.       1950 gelang der Sprung über den Atlantik mit einem Positiv von 6 Registern, das auf der Weltausstellung in Chicago ausgestellt und verkauft wurde.   die inzwischen gebaut wurden, waren sie der Zeit, die sich noch keineswegs von der elektrisch und elektropneumatischen Traktur gelöst hatte, weit voraus. Auf diese Weise beeinflusste Josef Glatter-Götz den Orgelbau in Europa und Nordamerika ganz entscheidend. Rieger-Orgeln wurden ein Begriff für klassisch-handwerklichen Orgelbau, verbunden mit Pioniergeist im technischen, klanglichen und architektonischen Bereich.         1972 war es endlich soweit: Ein ebenerdiger Betriebsneubau von 2000 m² und einem 14 m hohen Montagesaal konnte bezogen werden.         Raimund Glatter-Götz (*01.01.1948) studierte Innenarchitektur und Industriedesign an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien und absolvierte seine Orgelbauausbildung bei der Firma Johannes Klais in Bonn. Er ist seit 1977 als freischaffender Orgeldesigner für die Firma Rieger tätig.  

      Christoph Glatter-Götz (*09.12.1951) genoss eine Ausbildung bei der Firma Marcussen og Son in Dänemark. Er trat 1977 als Geschäftsführer in die Firma Rieger ein.
In dieser Funktion leitete er die Geschicke der Firma Rieger sehr erfolgreich bis zu seinem gesundheitsbedingten Ausscheiden Ende 2003.

     


Im Oktober 2003, nach genau 80 Jahren, wiederholt sich die Geschichte der Firma Rieger.Wie schon in den 20iger Jahren des vorigen Jahrhunderts übernimmt wiederum
der Betriebsleiter den Betrieb, dieses Mal in
der Person von Wendelin Eberle.

 

           

Auch die "Zulieferbetriebe" befinden sich unter dem eigenen Dach: Die Pfeifenwerkstatt, die Schlosserei, die Herstellung von Klaviaturen und Mechanikteilen. Letztere erfolgt vorwiegend durch Behinderte im Rahmen eines Projektes, in das 2 Behinderte mit einem eigenen Betreuer eingebunden sind. Auch hier knüpft Rieger an eine alte Tradition der sozialen Verantwortung an.

  Den Kern der Belegschaft bilden zwei Gruppen von je ca. 10 Mitarbeitern, die jeweils ein Instrument weitestgehend selbständig vom Plan bis zur fertig montierten Orgel bauen. Auf diese Weise ist die größtmögliche Identifikation mit dem Instrument gegeben, darüber hinaus kann so die Hierarchie und die Verwaltung im Betrieb auf ein Minimum reduziert werden.     Zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs wurde eine eigene Bushaltestelle eingerichtet, die Mitarbeiter erhalten die halben Fahrtkosten der öffentlichen Verkehrsmittel ersetzt.

                                   

 


Franz Rieger, geboren am 13. Dezember 1812, baute seine erste Orgel mit 20 Registern auf 2 Manualen und Pedal für die Burgbergkirche bei Jägerndorf. Er hatte beim Meister Josef Seybert in Wien gelernt und war 1844 als geprüfter Meister in seine Heimat zurückgekehrt. Franz Rieger wurde für soliden, qualitätsvollen Orgelbau bekannt.
   








      Es folgte eine Phase der raschen Expansion: Bereits 1874 kam ein Auftrag aus der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien, 1875 einer aus Ungarn, 1876 der erste aus dem nichthabsburgischen Ausland, nämlich aus Norwegen. 1878 waren die Gebrüder Rieger mit zwei Salonorgeln auf der Pariser Weltausstellung. Es folgten Aufträge aus Gibraltar, Istanbul, Jerusalem und Rom.         Um die Jahrhundertwende arbeiteten an die 200 Mitarbeiter im Betrieb, der sich nun "Gebrüder Rieger" nannte.           In diesen Jahrzehnten entwickelten die Gebrüder Rieger – wohl als Alternative zum wesentlich billigeren Harmonium – ein Programm von 25 Kleinorgeln zwischen 2 und 12 Stimmen, ab 8 Stimmen auch auf 2 Manualen. Diese Serienorgeln erklären die hohen Opuszahlen, die bei Rieger erreicht wurden.                                   Unter schwierigsten Verhältnissen gelangen die Aufträge für einige Restaurierungen, ansonsten hielt man sich durch den Bau von Handwebstühlen und Fenstern, sowie dem Betrieb einer öffentlichen Sauna, wo sich Josef Glatter-Götz Sohn als Masseur betätigte, über Wasser.     Anknüpfend an die Jägerndorfer Tradition entwickelte Josef Glatter-Götz eine Serie von Kleinorgeln verschiedener Größe, mit denen Rieger bald aufsehen erregte und nach und nach den Durchbruch schaffte.
Diese Positive waren eine technische Meisterleistung und gemeinsam mit den größeren Instrumenten,
    Es folgten immer mehr Aufträge aus allen Teilen Deutschlands und den Vereinigten Staaten, zögernd auch aus Österreich, so dass die Werkstätten bald nicht mehr ausreichend Platz boten.   Inzwischen war auch wieder eine neue Generation von Orgelbauern herangewachsen:

     

1984 trat Dipl.-Ing. Josef Glatter-Götz in den Ruhestand. Er starb am 1. Mai 1989, nach einem wechselvollen und nicht immer leichten Leben, das weltweit bedeutende Spuren im Orgelbau hinterlassen hat. Er war nie ein großer Kaufmann gewesen, als Orgelbauer galt er jedoch - gerade unter Kollegen - als Genie
        Wendelin Eberle (*08.07.1963) trat 1978 als Orgelbaulehrling in die Firma Rieger ein. Im Anschluss an die Lehre arbeitete er über viele Jahre im technischen wie auch im klanglichen Bereich des Orgelbaues. Neben der Leitung der Konstruktionsabteilung übernahm er 1992 auch die Funktion des Betriebsleiters. Seit dem 1. Oktober 2003 steht er nunmehr dem Unternehmen als Geschäftsführer vor.                 1896 waren die Gebrüder Rieger von Kaiser Franz-Josef I zu k. & k. Hoflieferanten ernannt worden, was sie berechtigte, den kaiserlichen Adler im Geschäftsverkehr zu führen. 1989 wurde der Firma Rieger von der Republik Österreich das österreichische Staatswappen verliehen.   Dessen Adler hat zwar einen Kopf weniger, dennoch ist auch dies ein äußeres Zeichen der Kontinuität unter den Generationen: Es geht um mehr als um die Führung eines Unternehmens und das wirtschaftliche Überleben. Es geht um Kunst, es geht um erfüllende Arbeit, es geht um ein Leben in der Gemeinschaft.       Wir möchten gerne Instrumente bauen, die die Sprache unserer heutigen Zeit sprechen. Es geht uns nicht darum, irgendeinen Stil zu kopieren, sondern einen neuen Stil zu schaffen, der die Wiedergabe eines möglichst breiten Spektrums an Orgelliteratur erlaubt. Auch und gerade hierfür ist eine intensive Beschäftigung mit Instrumenten aller Epochen notwendig. Denn auch unsere heutige Sprache hat ihre Wurzeln, und nur wer die Wurzeln kennt, kann auch mit der Sprache umgehen.

Je nach der Situation wird diese Sprache einmal mehr den einen oder den anderen Akzent haben, wird aber immer Rücksicht auf unsere heutigen Hörgewohnheiten nehmen. Damit ist der Klang natürlich nicht "authentisch", unser Empfinden kann es aber durchaus sein. Jedenfalls sehen wir es als unsere Aufgabe an, Instrumente nicht nur für die Vergangenheit, sondern vor allem für die Gegenwart und die Zukunft zu bauen.

  Dies drückt sich natürlich auch in der Architektur der Instrumente aus. So, wie barocke Orgeln in ihrer Zeit hoch modern und Ausdruck der damaligen Kreativität waren, so möchten auch wir heute kreativ sein, denn eine Orgel soll so ausschauen, wie sie klingt, um so eine künstlerische Einheit zu bilden.   Natürlich gibt es auch Situationen, in denen sich die Kreativität im Einfühlen in vorhandenes zeigen muss. Man denke etwa an eine Rokokokirche oder an Orgelgehäuse, die ganz oder teilweise wieder verwendet werden. Auch hier wird man von Fall zu Fall abwägen.   Zur künstlerischen Einheit gehört schließlich auch die Technik, die die Möglichkeiten nutzt, die uns heute zur Verfügung stehen. Diese erlaubt leichtgängige Trakturen, die auch bei gekoppelten Manualen ein sensibles Spiel zulassen. Auch ist es dadurch möglich, die Instrumente so zu bauen, dass sie weitestgehend witterungsunempfindlich sind, also auch bei großer Trockenheit oder Schwüle den Dienst nicht versagen. Der folgende Blick in die Werkstatt soll eine Vorstellung davon geben, wie dies in der Praxis ausschaut.   Dabei wollen wir nicht beweisen, dass wir es besser machen als andere, sondern zeigen, dass wir manches anders machen und versuchen, auf unserem Weg immer besser zu werden.   Wenn Sie mehr wissen möchten, dann laden wir Sie ein, die Firmenbroschüre über das Gästebuch zu bestellen. Wir senden Sie Ihnen gerne zu.  
      1873 gründeten Otto und Gustav Rieger die Firma "Franz Rieger & Söhne" und begannen eine neue Opuszählung. Das Opus I wurde auf der Wiener Weltausstellung ausgestellt und sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.       1896 wurden Otto und Gustav Rieger zu k. & k. Hoflieferanten, 1899 zu Rittern des Franz-Joseph-Ordens, der Patriarch von Jerusalem ernannte sie zu Rittern des Ordens vom Heiligen Grab.  







  Hand in Hand mit dem Ausbau und der Vermehrung der Arbeitsplätze ab 1879 ging der Bau von Arbeiterwohnhäusern. Schon kurz nach 1900 wurde in alle diese Häuser vom betriebseigenen Kraftwerk elektrischer Strom eingeleitet. Damit waren diese Wohnungen die ersten in der Stadt, die elektrisches Licht hatten. Auch errichteten die Gebrüder Rieger eine eigene Krankenkasse für die Arbeiter und Angestellten, womit sie ihrer Zeit weit voraus waren.               Die 20iger und 30iger Jahre brachten sehr viel Bewegung in die Orgelbaukunst, die damit verbundene Vielfalt fand auch ihren Niederschlag im Hause Rieger. So baute man hochromantische Orgeln neben solchen, die von der Orgelbewegung her bestimmt waren. In dieser Zeit wurden Instrumente in großer Zahl nach dem Baltikum, Finnland und Skandinavien, nach Südamerika, Südafrika, China und Jerusalem geliefert.                                      
Caspar Glatter-Götz
(*01.03.1945) hatte die Lehre im väterlichen Betrieb abgeschlossen und während seiner Wanderjahre bei den Firmen Kern, von Beckerath und Kuhn gearbeitet. Danach wurde er Betriebsleiter der Firma Rieger und übte diese Funktion bis Ende 1992 aus. 1993 verließ er das Unternehmen und arbeitet seither sehr erfolgreich in seiner eigenen Firma in Überlingen am Bodensee.
                Zwischenzeitlich wurde der Betrieb durch einen Zubau von Pfeifenwerkstatt und Büro- und Sozialtrakt von 700 m² erweitert. So ist insgesamt genügend Platz für 40 Mitarbeiter, sich frei zu bewegen, große Fenster geben den Blick in die Natur frei.    
 
Dem jeweiligen Intonateur werden seine Projekte zu einem möglichst frühen Zeitpunkt anvertraut. Er wird bereits bei Entscheidungen über die Disposition, Aufbau etc. miteinbezogen. Auch, und ganz besonders hier, gilt das Prinzip der Freiheit und der Verantwortung: Der Intonateur selbst bestimmt die Pfeifenmensuren, deren Güte er selbst bei der Intonation im Bestimmungsraum beweisen kann oder muss.
                       
                                            1943 - 1945 war der Bau von Orgeln im Verordnungswege untersagt. In Jägerndorf wurden Munitionskisten gebaut.